Multiplikatorenseminar in Dresden
Vom Justizort am Münchner Platz über die ehemalige Stasi-Bezirksverwaltung bis zu den Schauplätzen der Proteste von 1989 führte unser Weg durch drei Tage Dresdner Geschichte. Hier ging es um Menschen, die politische Verfolgung erfuhren, um staatliche Kontrolle und um den Mut, sich für Freiheit einzusetzen. Diesen Spuren folgte die Seminargruppe vom 14. bis 16. August 2026 beim Multiplikatorenseminar der IDRH „Mut zur Freiheit – Diktatur, Widerstand und demokratischer Wandel in Dresden“.
Zum Auftakt begrüßten IDRH-Bildungsreferentin Natalie Paschenko und Cordula Benfarji, Referentin des Gustav-Stresemann-Instituts Bonn, die Gruppe. Der Impulsvortrag „Dresden, Sachsen, DDR, ‚Die Wende‘ – Was weiß ich, was will ich lernen?“ diente dazu, vorhandenes Wissen und Erwartungen zu sammeln und das weitere Programm einzuordnen.
Anschließend besuchte die Gruppe die Gedenkstätte Münchner Platz im Georg-Schumann-Bau der TU Dresden. Die kommentierte Führung „Nationalsozialistische Strafjustiz und der Justizort Dresden 1933–1945“ folgte den Spuren des Dresdner Kommunisten Herbert Blochwitz, der 1944 hingerichtet wurde. Zugleich ging es um den Umgang mit dem historischen Erbe des Ortes in verschiedenen politischen Systemen. Am Abend bestand Gelegenheit zu einer gemeinsamen Erkundung der Dresdner Altstadt mit Zwinger, Semperoper und Frauenkirche.
Der zweite Seminartag begann mit dem Impuls „Von Recht und Freiheit – Welche Rolle spielen Staat und Gesellschaft für meine eigene Freiheit?“. Daran schloss sich der Besuch der Gedenkstätte Bautzner Straße an. Unter dem Titel „Die Akte H. – Macht, Kontrolle und Erinnerung“ berichtete der Zeitzeuge Hans-Jürgen Hempel über die frühere Bezirksverwaltung der Staatssicherheit in Dresden und den Umgang mit Andersdenkenden in der DDR. Anhand von Dokumenten und Äußerungen aus seinem Gerichtsverfahren sprach er über erfahrenes Unrecht, dessen persönliche Folgen und das Streben nach Rehabilitation.
Am Nachmittag führte der kommentierte Stadtrundgang „Wir sind das Volk! Dresdner Revolutionsweg 1989“ zu zentralen Schauplätzen der Friedlichen Revolution. Thematisiert wurden insbesondere die Ereignisse im Oktober 1989, als die Durchfahrt von Zügen mit DDR-Flüchtlingen aus Prag in Dresden zu gewaltsamen Übergriffen, Massenverhaftungen und Zerstörungen führte. Der Rundgang zeichnete nach, wie sich Protest und zivilgesellschaftliches Engagement entwickelten und weshalb diese Tage für den friedlichen Verlauf der Revolution entscheidend waren.
Mit einem interaktiven Austausch über die persönliche Bedeutung von Freiheit, Sicherheit und Frieden startete der letzte Seminartag. Im Militärhistorischen Museum Dresden folgte die kommentierte Führung „Love and Hate – Die Geschichte von Krieg und Frieden“. Sie widmete sich dem Verhältnis von Krieg und Gesellschaft sowie der Erinnerungskultur im Spannungsfeld zwischen Aufarbeitung und Verdrängung, Glorifizierung und Schuldzuweisung. Weitere Impulse griffen die Vielschichtigkeit des persönlichen und kollektiven Erinnerns auf.
In der abschließenden Einheit „Freiheit und Grundrechte – Das muss getan werden, um sie zu bewahren“ wurden die Inhalte der drei Tage zusammengeführt. Die Gruppe formulierte persönliche Handlungsoptionen und diskutierte, welche Verantwortung jeder Einzelne für eine freie und demokratische Gesellschaft übernehmen kann.
Wir danken Cordula Benfarji, Hans-Jürgen Hempel, den Teams der besuchten Gedenkstätten und des Militärhistorischen Museums sowie der gesamten Seminargruppe für die fachlichen Einblicke und den offenen Austausch.
Dies war ein Projekt des Referates Soziales, Familie und Senioren unter der Leitung von Natalie Paschenko in Kooperation mit dem Gustav-Stresemann-Institut. Es wurde gefördert durch das Hessische Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz.



















