Exkursion in den Hessenpark
Am 17. Oktober 2026 führte die von unserer Bildungsreferentin Natalie Paschenko organisierte Exkursion „Gelebte Geschichte mit Gegenwartsbezug – Ein Besuch im Hessenpark“ nach Neu-Anspach. Mit historischen Gebäuden und persönlichen Zeugnissen zeichnet das Freilichtmuseum den Wandel des Lebens in Hessens Dörfern und Kleinstädten nach. Dazu zählt die Geschichte der Vertriebenen, die hier nach 1945 eine neue Heimat fanden und das Land mitprägten. Diesen Lebensgeschichten widmeten wir uns bei unserem Rundgang mit Exkursionsleiter Eckhard Scheld.
Zu unserer Gruppe gehörten auch Bewohnerinnen und Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft für Spätaussiedler in Lich. Im Rahmen eines Modellprojekts des Hessischen Innenministeriums, des Landkreises Gießen und der LMDR–Hessen e.V. wird dort seit März 2025 die vorläufige Unterbringung durch individuelle Beratung ergänzt. Zum Angebot gehört konkrete Unterstützung bei Behördengängen, der Suche nach Sprachkursen und in Gesundheitsfragen.
Im Haus aus Sterzhausen widmeten wir uns der Ausstellung „Vertriebene in Hessen. Ankunft und Integration nach 1945“. Eine mitgebrachte Mohnmühle, eine Piccoloflöte oder eine kleine Schmuckdose erzählen dort von dem, was Menschen aus ihrem früheren Leben bewahren konnten. Die persönlichen Gegenstände und Zeitzeugenberichte führen von den Herkunftsregionen über die Vertreibung bis zum Neuanfang in Hessen. Dabei geht es um Wohnungsnot und Arbeitssuche ebenso wie um das Zusammenleben mit der ortsansässigen Bevölkerung, deren Erinnerungen ebenfalls Eingang in die Ausstellung gefunden haben.
Eckhard Scheld begleitete die Auseinandersetzung mit diesen Biografien und ihren historischen Hintergründen. Am historischen Güterwaggon ergänzte eine Lesung von Augenzeugenberichten die Ausstellungsinhalte um persönliche Schilderungen von Flucht und Vertreibung.
Zur Geschichte Hessens gehört gleichfalls das jüdische Leben in seinen Dörfern und Kleinstädten. Davon zeugt die ehemalige Synagoge aus Groß-Umstadt, zu der uns der weitere Rundgang führte. Ihre Inneneinrichtung wurde während der Novemberpogrome 1938 vollständig zerstört; später diente das Gebäude als Schuppen. Im Hessenpark wurde es unter Verwendung erhaltener Bausubstanz rekonstruiert und bewahrt heute die Erinnerung an die einstigen jüdischen Gemeinden.
Wie Menschen in jüngerer Zeit nach ihrer Ankunft untergebracht wurden, dokumentiert die Ausstellung „Auf der Suche nach Asyl“. Sie befindet sich in Containern einer früheren Unterkunft aus Oberursel. Zwei bis fünf Menschen teilten sich dort ein zwölf Quadratmeter großes Zimmer. Ein entsprechend eingerichteter Raum lässt die beengten Wohnverhältnisse nachvollziehen. Berichte ehemaliger Bewohnerinnen und Bewohner geben Einblicke in ihre Erfahrungen mit Flucht und dem Ankommen in Deutschland.
Wir danken Eckhard Scheld für seine fachkundige Begleitung und der gesamten Gruppe für den Tag im Hessenpark.
Bildergalerie
Dies war ein Projekt des Referates Soziales, Familie und Senioren unter der Leitung von Natalie Paschenko. Es wurde gefördert durch das Hessische Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz.















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