Unterwegs in

den Aldeas

Im Rahmen der Delegationsreise nach Argentinien standen zahlreiche Besuche in den sogenannten Aldeas der Provinz Entre Ríos auf dem Programm. Als Aldeas werden die von wolgadeutschen Einwanderern gegründeten Dörfer bezeichnet, die ab dem späten 19. Jahrhundert nach der Auswanderung aus dem Russischen Reich entstanden. Viele dieser Orte bewahren bis heute historische, kulturelle und sprachliche Traditionen der Wolgadeutschen und bilden wichtige Zentren des kulturellen Lebens in der Region.

Eine zentrale Station der Reise war Valle María. Die Gemeinde wurde am 21. Juli 1878 von Siedlern unter der Führung von Peter Salzmann gegründet. Die Gründer stammten überwiegend aus der wolgadeutschen Kolonie Mariental in Russland, nach der die neue Siedlung benannt wurde. Die Delegation wurde dort herzlich von Bürgermeister Mario Sokolovsky empfangen und erhielt im örtlichen Tourismuszentrum zunächst einen Überblick über die Geschichte und Entwicklung der Gemeinde.

Ein weiterer Programmpunkt führte in die katholische Kirche Inmaculada Concepción de la Virgen María. Die Geschichte des Gotteshauses reicht bis in die Anfänge der Besiedlung zurück: Bereits kurz nach der Ankunft entstand eine erste Kapelle, bevor 1886 die heutige Kirche unter Beteiligung der Gemeindemitglieder errichtet wurde. Während des Besuchs gestaltete ein Chor ein musikalisches Programm, bei dem unter anderem das bekannte russlanddeutsche Lied „Schön ist die Jugend“ vorgetragen wurde.

Im Regionalmuseum „Hilando Recuerdos“ führte Kulturkoordinator Dario Wendler durch die Ausstellung. Ergänzt wurde das Programm durch Begegnungen mit Einwohnern, die bis heute wolgadeutsche Dialekte sprechen. Dabei kam es zu Gesprächen über Sprache, Erinnerung und familiäre Herkunftsgeschichten. Weitere Stationen in Valle María waren die Schule Carlos Pellegrini, an der die Delegation mit Schülerinnen und Schülern ins Gespräch kam, sowie die Brauerei Krapp, die von einer wolgadeutschen Unternehmerfamilie geführt wird. Darüber hinaus besuchte die Gruppe den Familienbetrieb „El Puente Regionales“, der regionale Lebensmittel und Erzeugnisse anbietet, die eng mit der kulinarischen Tradition der Wolgadeutschen verbunden sind.

In Aldea Protestante wurde die Delegation von der Asociación de Descendientes de Alemanes del Volga de Aldea Protestante (ADAVAP) empfangen. Bei einem gemeinsamen Mittagessen gab es eine Gelegenheit für einen lebendigen Austausch. Anschließend stand das Museum „Almacén de Ramos Generales“ der Familie Schneider auf dem Programm. Das ehemalige Geschäft feierte im Jahr 2025 sein hundertjähriges Bestehen und wurde auf Initiative der Familie als Museum erhalten. Die Ausstellung dokumentiert die Geschichte des Dorfes und vermittelt einen Eindruck vom Alltag früherer Generationen. Ein weiterer Programmpunkt war der Besuch der Evangelischen Kirche am La Plata (IERP). Die Gemeinde gehört zu den historischen Zentren des evangelischen Lebens der Wolgadeutschen in Entre Ríos. Während der Führung erhielt die Delegation Einblick in historische Kirchenbücher und Dokumente.

Die Reise führte die Delegation weiter in die Aldea Brasilera, wo sie von Bürgermeister Hugo Ramírez in der Kirche San José begrüßt wurde. Das heutige Kirchengebäude wurde 1895 eingeweiht und zählt zu einer Reihe von Kirchenbauten in Entre Ríos, die von den aus Deutschland stammenden Architekten C. und E. Fogeler entworfen wurden.

In Aldea San Antonio führte Kultursekretärin Claudia Fuchs die Gruppe durch die Gemeinde. Zum Programm gehörten eine Rundfahrt mit einem historischen Fahrzeug, Besuche mehrerer Kirchen sowie das Denkmal „La Oma“, das an die Arbeit der Einwanderergeneration erinnert und den Großmüttern gewidmet ist, die einst das tägliche Brot für ihre Familien backten.

In Urdinarrain stand der Austausch mit dem Verein der Nachfahren der Wolgadeutschen „Unser Weg“ auf dem Programm. Neben Gesprächen über die Vereinsarbeit besuchte die Gruppe die Molkerei La Pequeña, einen wolgadeutschen Familienbetrieb, der bis heute von der landwirtschaftlichen Tradition der Region geprägt ist.

Im Vereinshaus der Nachfahren der Wolgadeutschen in Gualeguaychú sprach Dr. René Krüger über Dialekt und Kultur der Wolgadeutschen in Argentinien. Ergänzend stellte Leandro Hildt, Präsident der Vereinigung der Wolgadeutschen in Gualeguaychú und Vizepräsident von FADADAV, aktuelle Projekte zur Dokumentation und Vermittlung der wolgadeutschen Geschichte vor. Zum Programm gehörte außerdem der Besuch des vereinseigenen Museums und Archivs.

Den Abschluss der Besuche in den Aldeas bildete Santa Anita. Bürgermeister Juan José Amavet empfing die Delegation im Museum der Wolgadeutschen, dem größten der während der Reise besuchten Museen. Neben einer Führung durch die Ausstellung standen eine Rundfahrt durch die Gemeinde mit Traktoren sowie der Besuch der Kirche Cristo Rey auf dem Programm. Organisiert wurde der Aufenthalt von Paulina Hoffmann von der Initiative „Warum nicht Südamerika“, deren familiäre Wurzeln in Santa Anita liegen.