Auf den Spuren deutsch-russischer Geschichte
Auf Schloss Heiligenberg waren Besuche aus dem russischen Zarenhaus zugleich Familienbesuche, denn verwandtschaftliche Beziehungen verbanden den hessischen Hof mit den Herrscherhäusern in Russland und Großbritannien. Diesen Verflechtungen galt unsere Exkursion „Auf den Spuren deutsch-russischer Geschichte“, die uns am 24. Oktober 2026 nach Seeheim-Jugenheim und Darmstadt führte. Organisiert von unserer Bildungsreferentin Natalie Paschenko und fachlich begleitet von Eckhard Scheld, verband der Tag die Erkundung historischer Schauplätze mit einer Auseinandersetzung mit den Menschen, deren Lebenswege über Ländergrenzen hinweg miteinander verwoben waren.
Bereits während der Hinfahrt eröffnete Eckhard Scheld mit seinem Impulsvortrag einen Zugang zur wechselvollen deutsch-russischen Beziehungsgeschichte. Anhand von Bezügen zu Literatur, Politik und der Geschichte der Russlanddeutschen ordnete er die bevorstehenden Stationen in einen größeren Zusammenhang ein.
Auf dem Heiligenberg begegnete uns die Familiengeschichte u.a. in der Biografie von Prinzessin Marie von Hessen und bei Rhein, die 1841 den späteren Zaren Alexander II. heiratete. Als Kaiserin Maria Alexandrowna kehrte sie zu Besuchen nach Hessen zurück, wo ihr Bruder Alexander auf Schloss Heiligenberg lebte. So entwickelte sich der Ort zu einem Treffpunkt der weitverzweigten Verwandtschaft, an dem sich hessische Landesgeschichte und europäische Dynastiegeschichte berührten.
Unser Rundgang über das Gelände führte durch den Schlosspark zum Mausoleum und zum sog. Russenhaus, in dem während der Zarenbesuche die mitgereisten Bediensteten untergebracht waren. Das Gebäude beherbergt heute ein Informations- und Dokumentationszentrum und bewahrt damit die Erinnerung an jene Zeit, der es seinen Namen verdankt. Hier erläuterte Eckhard Scheld die Bedeutung des Heiligenbergs vor 1914 und erweiterte den Blick um die Situation der Russlanddeutschen im Ersten Weltkrieg sowie ihre Stellung innerhalb der russischen Gesellschaft.
Im Darmstädter Residenzschloss rückten anschließend die Lebenswege von Fürstinnen in den Vordergrund, deren Namen im Stadtbild bis heute gegenwärtig sind. Der Rundgang „Frauen, die Geschichte machten“ im Schlossmuseum erzählt von den Persönlichkeiten hinter Bezeichnungen wie Wilhelminenstraße, Carolinenplatz und Alice-Hospital. Über vier Jahrhunderte hinweg folgt die Führung Frauen, die als Regentinnen, durch gesellschaftliches Engagement oder als Unterstützerinnen der Frauenbewegung ihre Zeit mitgestalteten und deren Wirken über das höfische Leben hinausreichte.
Von hier aus führte die Beschäftigung mit dem hessischen Fürstenhaus zurück zu dessen engen Beziehungen nach Russland. Eckhard Scheld beschrieb die Verbindung Großherzog Ernst Ludwigs zur letzten Zarenfamilie: Seine jüngste Schwester Alix heiratete 1894 Nikolaus II. und wurde als Alexandra Fjodorowna die letzte russische Kaiserin. Ihre Biografie zeigt exemplarisch, wie unmittelbar die Geschichte des Darmstädter Hofes mit den politischen Umbrüchen im Russischen Reich verknüpft ist.
Wir danken Eckhard Scheld für seine kenntnisreiche Begleitung, den Teams auf dem Heiligenberg und im Schlossmuseum Darmstadt für die Führungen sowie der gesamten Gruppe für den Tag auf den Spuren deutsch-russischer Geschichte.
Bildergalerie
Dies war ein Projekt des Referates Soziales, Familie und Senioren unter der Leitung von Natalie Paschenko. Es wurde gefördert durch das Hessische Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz.














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