KONGRESS

Die Zukunft der Wolgadeutschen in Argentinien nach der Anerkennung ihrer Dialekte als immaterielles Kulturerbe

Am 18. März 2026 fand in Valle María in der argentinischen Provinz Entre Ríos der internationale Kongress „Die Zukunft der Wolgadeutschen in Argentinien nach der Anerkennung ihrer Dialekte als immaterielles Kulturerbe“ statt. Organisiert wurde die Veranstaltung gemeinsam von der Riwwel gUG, der Initiativgruppe „Warum nicht Südamerika“ und der Gemeinde Valle María.

Ausgangspunkt des Kongresses waren aktuelle kulturpolitische Entwicklungen in der Provinz Entre Ríos. Am 31. Januar 2025 wurde mit dem Gesetz Nr. 11187 die in der Provinz gesprochene Sprachvarietät der Wolgadeutschen, basierend auf fränkisch-rheinischen, hessischen und pfälzischen Dialekten, als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Im Vorfeld der Veranstaltung verabschiedete die Abgeordnetenkammer der Provinz Entre Ríos am 11. März 2026 zudem die Sonderresolution Nr. 17, mit der der Kongress offiziell als Vorhaben von gesetzgeberischem Interesse erklärt wurde.

Vor diesem Hintergrund kamen in Valle María Vertreterinnen und Vertreter aus politischen Institutionen, wissenschaftlichen Kontexten, der Kulturarbeit sowie aus Verbänden und Initiativen aus Argentinien und Deutschland zusammen. Zu den Ehrengästen zählten unter anderem Dr. Bernd Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Rogelio Frigerio, Gouverneur der Provinz Entre Ríos, Mario Sokolovsky, Bürgermeister von Valle María und Vertreter der Deutschen Botschaft in Buenos Aires.

Inhaltlich war das Programm in drei thematische Panels gegliedert. Im ersten Teil standen die Perspektiven der wolgadeutschen Gemeinschaft in Entre Ríos nach der gesetzlichen Anerkennung ihrer Dialekte im Mittelpunkt. Diskutiert wurden Fragen des sprachlichen Erhalts, der kulturellen Weitergabe und institutioneller Rahmenbedingungen. An der Diskussion beteiligten sich Silvia Mariel Ávila, Initiatorin des Gesetzes, Clelia Noemí Sturtz als Präsidentin der Föderation der Vereinigungen der Nachkommen der Wolgadeutschen in Argentinien (FADADAV), Dario Wendler als Kulturkoordinator von Valle María sowie Edwin Warkentin als Leiter des Kulturreferats für Russlanddeutsche.

Daran anschließend widmete sich das zweite Panel der Geschichte und Kultur der Wolgadeutschen in Entre Ríos und aktuellen Entwicklungstendenzen im Bereich historischer Aufarbeitung und kultureller Vermittlung. Zu den Mitwirkenden zählten Leandro Hildt, Präsident der Vereinigung der Wolgadeutschen in Gualeguaychú, der Schriftsteller Ignacio Getti, der Historiker und Pastor Dr. René Krüger sowie Walter Lauphan, Soziologe und Staatssekretär für Kulturpolitik und Modernisierung in General Ramírez.

Im dritten Panel standen der Austausch zwischen den wolgadeutschen Gemeinschaften in Argentinien und Deutschland sowie die Rolle der Russlanddeutschen in Deutschland im Fokus. Diskutiert wurden bestehende Verbindungen, Perspektiven künftiger Zusammenarbeit und transnationale Vernetzungsstrukturen. Neben Dr. Bernd Fabritius beteiligten sich Mario Sokolovsky als Bürgermeister von Valle María und Nikita Heidt als Geschäftsführer der Riwwel gUG.

Ergänzt wurde das Kongressprogramm durch die Vorstellung verschiedener Organisationen und Projekte, die sich mit Geschichte, Kulturarbeit und Vernetzung im Kontext der Wolgadeutschen in Argentinien beschäftigen. Präsentiert wurden unter anderem Beiträge der Föderation FADADAV, der Stiftung Verbundenheit mit den Deutschen im Ausland, der Riwwel gUG und der Initiativgruppe „Warum nicht Südamerika“.

Der Kongress bildete den zentralen Programmpunkt der Delegationsreise. Wir bedanken uns bei den Organisatoren und Mitwirkenden für eine inhaltlich facettenreiche Veranstaltung, die historische, kulturelle und gesellschaftliche Fragestellungen rund um die Wolgadeutschen in Argentinien aus unterschiedlichen Blickwinkeln zusammenführte.