Tagung in Wiesbaden

Datum: 28. - 30.11.2025
Ort: Wiesbaden

Unter dem Titel „Politische Geografien der Deutschen aus Russland und ihre musikalischen Wurzeln“ fand vom 28. bis 30. November 2025 in Wiesbaden eine Tagung statt. Organisiert wurde die Veranstaltung von der IDRH-Referentin Natalie Paschenko, die das Programm inhaltlich wie organisatorisch begleitete.

Nach der Ankunft in Wiesbaden durften wir zunächst bei einer Stadtführung die Landeshauptstadt Hessens kennenlernen. Sie liegt am Rhein im Rhein-Main-Gebiet und ist mit rund 300 000 Einwohnern eine der größten Städte Hessens sowie eines der ältesten Heilbäder Europas mit historischem Kurhaus und zahlreichen heißen Quellen. Trotz des regnerischen Wetters ließen wir uns Zeit für den Rundgang und sammelten erste Eindrücke.

Der zweite Tag stand im Zeichen der historischen und kulturellen Vertiefung. Am frühen Morgen besuchten wir das Museum Wiesbaden, das hessische Landesmuseums für Kunst und Natur. Am Tagungsort machte der Historiker Waldemar Masson den Auftakt mit seinem Vortrag „Ich habe den deutschen Schäferhund gesucht, kam aber bei der französischen Bulldogge raus“. In seinem Beitrag spannte er einen weiten Bogen von den ersten Ansiedlungen deutscher Kolonisten im Zarenreich über Umsiedlungen, Repressionen und Brüche in der Sowjetunion bis hin zu den Integrationsprozessen in Deutschland nach 1990. Dabei ordnete er die Geschichte der Deutschen aus Russland in größere geopolitische Zusammenhänge ein und veranschaulichte diese zugleich anhand eigener familiengeschichtlicher Erfahrungen, die er aus seiner Tätigkeit als Ahnenforscher heraus einbrachte.

Im Anschluss sprach Helena Goldt über die musikalischen Wurzeln der Deutschen aus Russland. Die Sängerin und kulturelle Brückenbauerin wurde in Kasachstan geboren, wuchs als Spätaussiedlerin in Süddeutschland auf und lebt heute in Berlin. In ihrem Vortrag beleuchtete sie die Entstehung und Entwicklung russlanddeutscher Liedtraditionen im Spannungsfeld zwischen deutscher Herkunft, russischem und zentralasiatischem Umfeld sowie wechselnden politischen Bedingungen. Anhand von Hörbeispielen zeigte sie, wie Melodien, Rhythmen, Texte und Stimmtechniken durch Migration und kulturellen Austausch verändert wurden und welche Rolle Musik als Träger von Erinnerung und Identität spielte. Der Vortrag mündete in eine lebhafte Diskussion.

Am Nachmittag folgte der Workshop „Heimatklänge aus der Ferne. Wie Heimat innere Klanglandschaften prägt“. Gemeinsam mit Helena Goldt setzten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit eigenen musikalischen Erinnerungen auseinander und brachten diese in gemeinsames Singen ein. Der Fokus lag dabei auf der Frage, wie kulturelle Prägungen die Stimme, den Ausdruck und den Klang beeinflussen.

Am Abend luden wir in Kooperation mit der Ortsgruppe Wiesbaden der LMDR-Hessen e.V. zu einem öffentlichen Konzert ins Haus der Heimat ein. Eröffnet wurde das Konzert von der jungen Pianistin Alexandra Kinez. Auf der Bühne begrüßten wir Helena Goldt und den Wiesbadener Chor Harmonie. Im Mittelpunkt standen russlanddeutsche Lieder, die auch auf der CD „Heimatklänge aus der Ferne. Lieder der Deutschen aus Russland“ versammelt sind. Die CD entstand im Rahmen eines Projekts der LMDR-Hessen e.V. Das Konzert zog Besucherinnen und Besucher aus ganz Hessen an, die am Ende des Konzertes die Möglichkeit hatten, zusammen mit den Künstlern die Lieder zu singen und musikalische Erinnerungen zu teilen.

Nach dem offiziellen Programm kamen die Besucher beim Kaffee und Kuchen zusammen, um sich auszutauschen und gemeinsam zu singen, unter anderem auch Weihnachtslieder mit Blick auf den ersten Advent am folgenden Tag.

Wir bedanken uns herzlich bei Waldemar und Helena für die spannenden Vorträge, die großartigen Workshops und den wertvollen Input! Danke an Vera Maier, Vorsitzende der OG Wiesbaden der LMDR-Hessen e.V. für die angenehme Zusammenarbeit und das gelungene Konzert. Und natürlich bedanken wir uns wie immer bei allen, die dabei waren und die Tagung mit ihren Ideen, Fragen und Anregungen bereichert haben.