„Flucht und politische Unterdrückung – damals und heute“
Gründe für Flucht und Exil sind vielfältig. Immer bedeuten sie für die Betroffenen Entwurzelung, Trennung von Familie, Heimat- und manchmal auch Identitätsverlust, aber auch Herausforderungen in den Ankunftsländern. Eine Auseinandersetzung mit der Fluchtgeschichte des jüdischen Künstlers Rudolf Levy bot Anlass und bildete den Ausgangspunkt für einen Austausch über aktuelle Erfahrungen von Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte. Dazu lud die Museumsgalerie Pfalz in Kaiserslautern am 7. Dezember gemeinsam mit dem LmDR-Projekt „Mein – dein – unser Weg“ zu einer Ausstellungsführung und einem Gespräch ein.
Die Gäste wurden vom Leiter der Kunstvermittlung, Benjamin Kosar, herzlich empfangen und in das Thema des Abends eingeführt. Der erste Programmpunkt war eine Führung durch die Ausstellung „Rudolf Levy. Magier der Farbe.“ mit der Kuratorin Dr. Annette Reich. Rudolf Levy wurde 1875 in einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Stettin geboren. Er begann zunächst eine Ausbildung zum Schreiner in Berlin, wechselt jedoch 1895 an die Kunstgewerbeschule nach Karlsruhe. Wegen seiner jüdischen Herkunft verließ Levy Deutschland nach der Machtergreifung 1933, zahlreiche seiner Bilder wurden 1937 beschlagnahmt. Levy emigrierte zunächst nach Italien, floh 1936 nach Amerika, kehrte jedoch 1937 nach Europa zurück und lebte nach langen Wanderungen in Italien. Ende 1943 wurde er in Florenz von der Gestapo verhaftet, per Lastwagen und Zug deportiert und vermutlich direkt nach seiner Ankunft im Vernichtungslager Auschwitz am 6. Februar 1944 ermordet.
Nach der Führung durch die beeindruckende Bilderausstellung von Rudolf Levy und der Auseinandersetzung mit den einzelnen Lebensstationen des Künstlers, wurden die Besucher zu einer Gesprächsrunde ins Café du Dôme eingeladen. Unter der Moderation von Benjamin Kosar berichteten die eingeladenen Gesprächsteilnehmer unterschiedlicher Herkunft von ihren Erfahrungen von Migration und Flucht, dem Ankommen in Deutschland und dem Integrationsprozess. Die Teilnehmer kamen zum Beispiel aus Syrien, Afghanistan, Russland und Kasachstan und schilderten in ihren Erzählungen, wie es für sie war, die Heimat zu verlassen und in Deutschland ein neues Leben anzufangen.
Valentina Dederer, die Projektleiterin von „Dein – mein – unser Weg“, berichtete vom Schicksal der Deutschen in der Sowjetunion, der Angst der alten Generation über ihre Erfahrungen zu sprechen und dem Verlust der Erinnerungen. Katharina Martin-Virolainen, Autorin und IDRH-Referentin für Jugend, Bildung und Kultur erklärte, wie individuelle und kollektive Erfahrungen aus der Vergangenheit dabei helfen können, Menschen, die heute im Zuge von Kriegen, Flucht und Vertreibung nach Deutschland kommen, bei ihrer Integration zu unterstützen und das Verständnis füreinander in der Mehrheitsgesellschaft zu fördern. Nach dem Ende des offiziellen Programms blieben die Gäste noch eine Weile in der Museumsgalerie und konnten sich bei Getränken und in gemütlicher Atmosphäre austauschen.