Multiplikatorenseminar in Bonn

Datum: 8./9. August 2026
Ort: Bonn

Bonn war über Jahrzehnte das politische Zentrum der Bundesrepublik. Im ehemaligen Bundeskanzleramt, im Haus der Geschichte und im Wohnhaus Konrad Adenauers lässt sich bis heute nachvollziehen, wie sich die junge Demokratie nach 1945 entwickelte und welche Entscheidungen die Bonner Republik prägten. Genau diesen Spuren gingen wir am 8. und 9. August 2026 bei unserem Multiplikatorenseminar „Deutsche Demokratiegeschichte: Was bewegte die Bonner Republik und was prägt unsere Demokratie noch heute?“ nach. Organisiert wurde das Seminar vom Referat Soziales, Familie und Senioren unter der Leitung von Natalie Paschenko in Zusammenarbeit mit dem Gustav-Stresemann-Institut. Thammo Draeseke, Referent der Abteilung Politische Bildung des GSI, übernahm die Seminarleitung und begleitete die Gruppe durch das zweitägige Programm.

Die Dauerausstellung zeichnet die Entwicklung Deutschlands von der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart nach und verbindet politische Ereignisse mit gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Veränderungen.

Zum Einstieg sammelten die Teilnehmer Ereignisse und Entwicklungen, die sie selbst mit der deutschen Geschichte seit 1945 verbinden. Dabei ging es um politische Zäsuren ebenso wie um wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen und die Frage, wie bestimmte Jahrzehnte und Ereignisse aus der eigenen Perspektive wahrgenommen werden.

Der erste Besuch führte ins Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Die Dauerausstellung zeichnet die Entwicklung Deutschlands von der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart nach und verbindet politische Ereignisse mit gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Veränderungen. Während des geführten Rundgangs wurden verschiedene Etappen der Nachkriegsgeschichte aufgegriffen und dabei auch die Erfahrungen unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen berücksichtigt. Im Anschluss konnte die Gruppe selbst entscheiden, wie sie den Nachmittag fortsetzen wollte. Ein Teil blieb im Haus der Geschichte und erkundete die Ausstellung auf eigene Faust weiter. Die andere Gruppe machte sich auf den Weg durch das ehemalige Bonner Regierungsviertel. Eine Teilnehmerin übernahm dabei spontan die Führung. Da sie über viele Jahre beruflich in diesem Umfeld tätig war, konnte sie die politischen Orte mit persönlichen Erinnerungen und Anekdoten aus ihrer eigenen Zeit im Regierungsviertel ergänzen.

Der zweite Seminartag begann mit einem Blick auf Bundeskanzler und Bundesregierung und ihre Rolle im politischen System der Bundesrepublik. Ausgehend vom Vorwissen der Gruppe rückte dabei vor allem Konrad Adenauer in den Fokus. Als erster Bundeskanzler prägte er die politische Ausrichtung der jungen Bundesrepublik über vierzehn Jahre hinweg und steht damit exemplarisch für viele Weichenstellungen der frühen Bonner Republik. Gemeinsam wurden politische Entscheidungen und Entwicklungen zusammengetragen, die mit seiner Kanzlerschaft verbunden sind, und in die Phase des demokratischen Neubeginns nach 1945 eingeordnet. Von dort spannte sich der Bogen zu den beiden anschließenden Exkursionen, die sehr unterschiedliche Abschnitte der Bonner Republik aufgriffen: das ehemalige Wohnhaus Adenauers in Rhöndorf auf der einen Seite und das ehemalige Bundeskanzleramt als Schauplatz der späteren Regierungsjahre auf der anderen.

Ein Teil der Gruppe besuchte das ehemalige Bundeskanzleramt in Bonn, das von 1976 bis zum Regierungsumzug nach Berlin als Sitz des Bundeskanzlers und seiner Behörde diente. Der Rundgang richtete den Blick auf die späteren Jahrzehnte der Bonner Republik, auf politische Krisen, den gesellschaftlichen Wandel und schließlich auf die Jahre, in denen die Deutsche Einheit vorbereitet und politisch gestaltet wurde. Zugleich machte das Gebäude selbst sichtbar, wie Regierungshandeln in Bonn organisiert war und in welchem räumlichen Umfeld zentrale Entscheidungen der Bundesrepublik getroffen wurden.

Der Rundgang durch das ehemalige Wohnhaus von Konrad Adenauer verbindet seine politische Biografie mit dem privaten Lebensumfeld.

Die zweite Gruppe fuhr nach Rhöndorf zum ehemaligen Wohnhaus Konrad Adenauers. Die Ausstellung „Konrad Adenauer 1876–1967. Rheinländer, Deutscher, Europäer“ widmet sich dem Leben des ersten Bundeskanzlers und den politischen Weichenstellungen der frühen Bundesrepublik. Behandelt wurden unter anderem der demokratische Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg und die politischen Vorstellungen, mit denen Adenauer die junge Bundesrepublik prägte.

Nach der Rückkehr ins Gustav-Stresemann-Institut brachten beide Gruppen ihre Beobachtungen zusammen. Gerade die Aufteilung erwies sich dabei als passend für das Seminarthema: Während die eine Führung den Blick auf die Gründungs- und Aufbauphase der Bundesrepublik unter ihrem ersten Kanzler richtete, setzte die andere mehrere Jahrzehnte später an und verfolgte die Entwicklung der Bonner Republik bis zur Deutschen Einheit und zum Regierungsumzug nach Berlin. Im gemeinsamen Austausch entstand so ein zeitlicher Bogen durch fast fünf Jahrzehnte bundesdeutscher Demokratiegeschichte.

Wir bedanken uns herzlich beim Gustav-Stresemann-Institut für die Zusammenarbeit und insbesondere bei Thammo Draeseke für die Seminarleitung und Begleitung unserer Gruppe. Vielen Dank ebenso an die Teams der besuchten Einrichtungen für die Führungen und natürlich an alle, die dabei waren!

Dies war ein Projekt des Referates Soziales, Familie und Senioren unter der Leitung von Natalie Paschenko in Kooperation mit dem Gustav-Stresemann-Institut. Es wurde gefördert durch das Hessische Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz.