Projekt „Im Fluss der Zeit“ – Teil 2

Datum: 29.10. - 02.11.2023
Ort: Berlin und Linstow

Rückblick auf die Fortsetzung des Projekts „Im Fluss der Zeit: Donaugeschichte(n) aus junger Perspektive neu erzählt“ in Berlin und Linstow vom 29. Oktober bis 2. November 2023

„Geteiltes Schicksal: Die Geschichte der Wolhyniendeutschen und der Donauschwaben“ – so lautete der Schwerpunkt im zweiten Teil des Projekts „Im Fluss der Zeit“. Projektleiterin Katharina Martin-Virolainen lud für diese Begegnung nach Deutschland ein. Die teilnehmenden Jugendlichen aus Kroatien, Ungarn und Rumänien reisten nach Berlin und gemeinsam mit den deutschen Jugendlichen der Theatergruppe „Meine Leute“ wurde die Hauptstadt erkundet. IDRH-Bildungsreferentin Katharina Haupt schloss sich der Gruppe auf ihrem Weg nach Linstow an. Wieso? Weshalb? Linstow?

In Linstow (Mecklenburg-Vorpommern) befindet sich das Wolhynier Umsiedlermuseum. Der ehemalige Umsiedlerhof gewährt Einblick in die Arbeits- und Lebenswelt deutscher Flüchtlinge, die bei Kriegsende ihren Neubeginn in Linstow wagten. Die Mehrzahl von ihnen stammte ursprünglich aus Wolhynien, einer historischen Landschaft in der heutigen Nordwestukraine. Ihre Vorfahren hatten sich dort nach der Aufhebung der Leibeigenschaft durch Zar Alexander II. ab den 1860er Jahren als Bauern und Handwerker niedergelassen.

Diesen Ort nutzten wir als Schauplatz für Medienworkshops, Vorträge und Reisen in eine vergangene Zeit. Eine Besonderheit war der Besuch der Dorfkirche Linstow. Die jahrhundertealte Kirche, bereits dem Verfall überlassen, wurde Mitte des 19. Jhd. von der Gemeinde umfangreich erneuert. Beim Wiederaufbau war der Vater von Frau Horn beteiligt. Bei einer kleinen Führung zeigte uns Frau Horn die Kirche und den dazugehörigen Friedhof, auf dem auch ihre Eltern begraben liegen. Sie selbst kümmert sich seit Jahrzehnten ehrenamtlich um die Kirche und hilft bei den Vorbereitungen zum Gottesdienst.

Parallel zum historischen Programm liefen Theaterproben. „Meine Leute“ aus Eppingen und die Schauspielerinnen und Schauspieler des NiL-Theaters aus Temeswar studierten das Stück „Am Anfang war die Zahl“ ein, denn am letzten Projekttag ging es auf die Bühne. Die Inszenierung erzählt die Geschichte des deutschen Musiklehrers Wendelin Lerche, der während des Zweiten Weltkriegs in der Verbannung in Kasachstan seinen Schülern durch die Kraft der Musik einen Funken Hoffnung schenken will.

In einer turbulenten Zeit, in der die Dunkelheit des Krieges und die Tyrannei stets präsent sind, setzt sich Lerche für die jungen Bewohner der Sondersiedlung Kamenka ein. Doch die Gefahren lauern in Form des jungen Kommandanten Stepan Puschkow, der das Geschehen in der Siedlung überwacht. Die Rolle der neuen Lehrerin Hanna Poplawskaja, eine ehemalige Gefangene des Frauenlagers Alschir, bleibt rätselhaft – ist sie eine Verbündete oder eine Bedrohung?

Die Produktion thematisiert das tragische Schicksal der Deutschen in der Sowjetunion, das nicht nur die Lebensgeschichten der Großeltern und Urgroßeltern geprägt hat, sondern auch das Leben junger Menschen bis heute beeinflusst. „Am Anfang war die Zahl“ beleuchtet Schicksalsschläge und Verzweiflung, aber ebenso die Stärke und Hoffnung in den dunkelsten Zeiten. Dieses bewegende musikalische Theaterstück basiert auf einer Idee von Katharina Martin-Virolainen und Oleg von Riesen.

Die Aufführung war nicht nur ein berührender kultureller Höhepunkt, sondern auch ein Zeugnis für die Bedeutung der Geschichte und ihrer Wirkung auf die nachfolgenden Generationen. Das Wolhynier Umsiedlermuseum in Linstow leistet mit solchen Veranstaltungen einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung des kulturellen Erbes und zur Auseinandersetzung mit den historischen Ereignissen.

Vielen Dank an das Wolhynier-Umsiedlermuseum in Linstow und vor allem dem Leiter und Projektpartner Michael Thoß für die Gastfreundschaft und die großartige Zusammenarbeit. Danke an Katharina Martin-Virolainen für die Möglichkeit einer Teilhabe der IDRH und natürlich an alle, die am Projekt mitgewirkt haben!

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Ein Projekt von KuBIK e.V. in Kooperation mit Wolhynier Umsiedlermuseum Linstow, der Deutschen Gemeinschaft in Osijek, mit der NiL-Theatergruppe des Nikolaus-Lenau Lyzeums in Temeswar, mit dem Jakob-Bleyer Heimatmuseum in Budaörs sowie der IDRH – Interessengemeinschaft der Deutschen aus Russland in Hessen.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei den Förderer des Projektes:

Förderprogramm „Perspektive Donau“ der Stiftung Baden-Württemberg

BKJ – Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung

Kulturreferat für Russlanddeutsche und die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien

Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg

Stiftung Children for a better World im Rahmen des Programms „Jugend hilft“