Russlanddeutsche Community im Schatten des Russland-Ukraine-Krieges

Datum: 18.07.2022
Ort: Evangelische Akademie, Römerberg 9, 60311 Frankfurt am Main

Der Angriffskrieg Russlands hat nicht nur verheerende Auswirkungen auf die Ukraine und die Schicksale der dort lebenden Menschen, sondern hat auch viele „Nebenwirkungen“, die unter anderem die russlanddeutsche Community und unsere Gesamtgesellschaft in Deutschland zu spüren bekommen. Darüber möchten wir am 20. Juni um 18.30 Uhr im Haus am Dom in Frankfurt mit Expertinnen und Experten aus den Bereichen Politik, Medien und bürgerliches Engagement ins Gespräch kommen.

Im Mittelpunkt der Diskussion stehen unter anderem folgende Themen: Außenpolitik Russlands und die innenpolitischen Entwicklungen des Landes in den letzten zwei Jahrzehnten; der Umgang mit dem Russland-Ukraine-Krieg innerhalb der russlanddeutschen Community in Deutschland; der Einfluss der russländischen Staatspropaganda – Ziele, Auswirkungen, Hintergründe und mögliche Lösungsansätze dazu.

  • Zur besseren Planung bitten wir um Voranmeldung: k.martin-virolainen@idrh-hessen.de
  • Der Eintritt ist kostenfrei.
  • Evangelische Akademie, Römerberg 9, 60311 Frankfurt am Main

Auf dem Podium

Albina Nazarenus-Vetter ist hauptberufliche Leiterin und Geschäftsführerin der Interessengemeinschaft der Deutschen aus Russland in Hessen (IDRH gGmbH). Sie studierte Germanistik und Slavistik an der Humboldt Universität Berlin. Als Mitgründerin der Deutschen Jugend aus Russland e.V. und stellv. Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland vertritt sie seit vielen Jahren die Interessen der russlanddeutschen Spätaussiedler in zahlreichen Gremien, bei Fachtagungen und in der Politik. Zudem ist sie stellv. Bundes- und Landesvorsitzende der Union der Vertriebenen (UdV/OmV).

Dr. Felix Riefer ist ein Bonner Politikwissenschaftler. Er studierte Politikwissenschaften, Regionalstudien Ost- und Mitteleuropas und Sozialwissenschaften an der Universität zu Köln und an der Sciences Po – Paris School of International Affairs (PSIA). Schwerpunkte seiner Arbeit sind Russland, der postsowjetische Raum und die Forschung zu russlanddeutschen (Spät)-Aussiedlern. Dr. Riefer ist Beiratsmitglied des Lew Kopelew Forum e. V. und arbeitet am Institut für Migrations- und Aussiedlerfragen Heimvolkshochschule St. Hedwigs-Haus e.V.

Natalia Wenzel-Warkentin studierte Germanistik, Linguistik und Philosophie in Frankfurt und Mainz und sammelte erste journalistische und publizistische Erfahrungen als freie Autorin im Lokalen, im Hörfunk (u. a. bei FFH) und beim Frankfurter Presseclub. Von 2016 bis 2019 war sie studentische Aushilfe bei FAZ.NET mit Stationen im „Leben“ der Sonntagszeitung und im Ressort „Deutschland und die Welt“. Seit 2021 ist Natalia Wenzel-Warkentin Redakteurin vom Dienst bei FAZ.NET.

Moderation: Katharina Martin-Virolainen ist Bildungsreferentin für die Bereiche Jugend, Bildung und Kultur bei der IDRH gGmbH. Seit vielen Jahren ist sie als freie Journalistin und Projektleiterin in den Bereichen Kinder- und Jugendarbeit, Tanz und Theater, sowie Kultur, Geschichte und Literatur der Deutschen aus Russland tätig.

So war unsere Veranstaltung

Über den Dächern der Stadt, im Panoramasaal der Evangelischen Akademie Frankfurt, verbrachten wir einen anregenden, interessanten Abend. Wir bedanken uns herzlich bei allen Teilnehmenden und insbesondere bei den Podiumsgästen: Albina Nazarenus-Vetter, Dr. Felix Riefer und Natalia Wenzel-Warketin. Aus ihren jeweiligen Perspektiven trugen sie wertvolle Gedanken zum Thema bei, betrachteten kritisch die momentane Darstellung der Russlanddeutschen und hoben aber auch positive Entwicklungen der letzten Jahre hervor.

Wir sprachen u.a. über den Einfluss der russländischen Propaganda, die Darstellung der Russlanddeutschen in den Medien, ihre Wahrnehmung in der Gesamtgesellschaft und die Auswirkungen des Russland-Ukraine-Krieges auf das Ehrenamt und die Vereinsarbeit. Letztendlich schlossen wir mit den „Aufgaben“, die auf uns als Community zukommen, um das Wissen über Russlanddeutsche in der Mehrheitsgesellschaft zu verankern. „Wir müssen anfangen, die Gesellschaft durch politische Teilhabe mitzugestalten“, so Nazarenus-Vetter über einen möglichen Weg. Wenzel-Warkentin zeigte sich optimistisch: Die sich verdichtende Vernetzung führe dazu, dass sich Stimmen gegen einseitige Berichterstattung erheben und ein Korrektiv bilde. Dr. Riefer ergänzte, dass sich die Migrationstrends im Wandel befänden – galt früher das „Unsichtbar werden“ als Ziel, werden heute die Individualität und Alleinstellungsmerkmal in den Vordergrund gestellt.

Die Moderatorin des Abends und IDRH-Bildungsreferentin Katharina Martin-Virolainen beschreibt in ihren „persönlichen 5-Cent“ sehr treffend die Stimmung und das, was wir aus dieser Veranstaltung mitgenommen haben:

Kleiner Rückblick auf unsere Podiumsdiskussion in Frankfurt zum Thema: „Russlanddeutsche im Schatten des Russland-Ukraine-Krieges“.

Vielen Dank an alle, die am Montag an unserer Veranstaltung in der Evangelischen Akademie teilgenommen haben. Ein besonderer Dank gilt unseren Podiumsgästen: Albina Nazarenus-Vetter, Natalia Wenzel-Warkentin und Dr. Felix Riefer. Es war eine spannende Gesprächsrunde mit vielen wertvollen Beiträgen und Impulsen.

Und wenn ich meine persönlichen 5-Cent dazu geben darf: Für mich war diese Veranstaltung vor allem empowernd und mutmachend. Denn in den letzten Monaten und Wochen kam immer wieder das Gefühl der Sinnlosigkeit auf. Wozu sich überhaupt anstrengen? Wozu Aufklärungsarbeit leisten? Wozu überhaupt irgendetwas tun, wenn wir sowieso immer wieder bei einem gewissen „Punkt-0“ landen?

Bei der Podiumsdiskussion haben wir über so viele Sachen gesprochen, die uns Russlanddeutsche betreffen und beschäftigen. Nein, es ist kein schöner Zustand, dass wir uns nach so vielen Jahren im Land immer wieder der Frage stellen müssen, ob man uns als „dazugehörig“ betrachtet. Dass man in der Gesamtgesellschaft bis heute noch so wenig über uns weiß. Dass wir unsere Geschichte immer wieder erzählen müssen – und sobald etwas passiert, haben viele von uns das Gefühl, ins Leere geredet und gearbeitet zu haben.

Doch es gibt auch viele positive Entwicklungen: Die starke Vernetzung untereinander, das steigende Selbstbewusstsein und der Mut, sich gegen falsche Darstellungen und teilweise auch Ungerechtigkeiten zu wehren. Es werden immer mehr russlanddeutsche Stimmen hörbar – immer mehr engagierte Persönlichkeiten sichtbar. Es gibt viele Menschen, die für diese Stimmen dankbar sind – und viele Menschen, die bereit sind, zuzuhören. Also, tief durchatmen, Kräfte sammeln, weitermachen.

Ja, es gibt noch viel zu tun. Wird es immer geben. Alles im Leben ist ein Prozess. Und es kann gut sein, dass dieser nie vollständig abgeschlossen sein wird. Doch selbst wenn – noch schlimmer wäre es, nichts zu tun.

Katharina Martin-Virolainen, über die Podiumsdiskussion am 18. Juli 2022

Ein Artikel über die Podiumsdiskussion erschien in der Zeitschrift „Volk auf dem Weg“ (Nr. 8-9/2022, S. 5):

  • Mit der Teilnahme erklären Sie sich einverstanden, dass die Interessengemeinschaft der Deutschen aus Russland in Hessen gGmbH Foto- und Filmaufnahmen im Zusammenhang mit der Veranstaltung zeitlich unbegrenzt für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit nutzen darf sowie zu Dokumentationszwecken für den Zuwendungsgeber.

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